Etruskischer Schmuck – der Schmuck der Rasenna

Etruskischer Schmuck galt im Altertum als Meisterleistung – die Rasenna waren im Altertum berühmt für ihre handwerklichen Fähigkeiten und man hat von ihnen hergestellte Gegenstände im ganzen Mittelmeerraum entdeckt. Besonders geschickt waren sie in der Herstellung von Schmuck. So fand man in den Grabstätten goldene Armbänder, Ketten, Diademe, Ohrringe, Fibeln und Ringe (mehr darüber im Artikel „Rasenna – warum ein etruskischer Name?„).

Goldener Rundanhänger mit Granulationsmuster an einer geflochtenen Goldkette
Etruskischer Goldanhänger, Walters Art Museum, Baltimore. Foto: Wikimedia Commons / Walters Art Museum, CC BY-SA 3.0

Ein Schmuck, den niemand wie die Rasenna machten

Eine besondere Technik, die von den Rasenna bei der Schmuckherstellung meisterhaft beherrscht wurde, nennt man Granulation. Sie schafften es, auf Ringen, Armreifen und anderen Schmuckstücken winzig kleine Goldkügelchen, oft nicht größer als 0,2 mm, auf der Oberfläche zu fixieren, ohne dass man eine sichtbare Lötverbindung erkennen konnte. Das Ergebnis war eine samtig-strukturierte Oberfläche von großer Feinheit.

Die Granulation kam wahrscheinlich aus dem Vorderen Orient und der ägäischen Welt – Mykene und Troja kennen frühe Beispiele. Die Rasenna perfektionierten sie aber auf einzigartige Weise, besonders zwischen dem 7. und 5. Jahrhundert v. Chr. – der sogenannten orientalisierenden Periode. Das Verblüffende: Die Rasenna beherrschten diese Technik auf einem Niveau, das danach für Jahrhunderte verloren ging.

Goldene Prunkfibel mit Tiermotiven aus der Regolini-Galassi-Grabkammer in Cerveteri
Große Goldfibel mit Scheibensteg, verziert mit Tiermotiven in Granulation, Treibarbeit und Punzierung. Aus der Hauptkammer der Regolini-Galassi-Grabkammer, Necropoli del Sorbo, Cerveteri. Museo Gregoriano Etrusco.

Schmuck aus Bernstein

Von den Ringen, Ketten, Ohrringen, welche die Frauen der Rasenna trugen, kennt man viele Beispiele mit Bernstein. Dieses versteinerte Baumharz findet man nur an den Küsten der Ostsee. Baltischer Bernstein wurde über die sogenannte Bernsteinstraße von der Ostsee bis ins Mittelmeer gehandelt – einer der ältesten Fernhandelswege Europas. In den Gräbern der Rasenna wurde reichlich Bernstein gefunden, oft zu kunstvollen Schmuckstücken verarbeitet. Chemische Analysen bestätigen: Es war baltischer Succinit.

Mit diesem Bernstein stellten die Handwerker der Rasenna viele verschiedene Schmuckstücke her: Ringe, Pendants für Halsketten und Ohrringe. In der Blütezeit ihrer Kultur war ihnen nichts zu teuer. Die Frauen der Rasenna liebten es, sich schön zu machen, und dann gingen sie allein, mit ihren Freundinnen oder mit ihrem Mann spazieren oder zu einem Bankett.

Das konnten sie im Unterschied zu den Frauen der Griechen und Römer, für die es unschicklich war, sich allein in der Öffentlichkeit zu zeigen, und die auch nicht zu Banketten gehen konnten, da sie den Männern vorbehalten waren (sh. auch den Artikel „die Frauen der Rasenna„).

Zwei goldene Bauletto-Ohrringe der Rasenna mit feiner Granulationsverzierung
Schmuck der Rasenna: Bauletto-Ohrringe aus Gold mit Granulationstechnik, Altes Museum Berlin. Beispiel für die meisterhafte Goldschmiedekunst der Rasenna.

Gebrauchsgegenstände für die Toilette

Um sich schön zu machen, verwendeten die Frauen der Rasenna Spiegel aus Bronze. Diese waren auf der Rückseite mit Gravuren versehen, die Szenen aus der Mythologie oder Alltagsszenen darstellten. Von diesen Spiegeln wurden große Mengen in den Gräbern als Beigabe gefunden, und sie stellen eine wichtige Quelle für das Verständnis der Kultur der Rasenna dar. Um sich die Haare zu kämmen, verwendeten die Frauen Kämme aus Elfenbein, die mit kunstvollen Dekorationen verziert waren. Parfümierte Salben wurden in Tonfläschchen aufbewahrt, und auch Behälter für wohlriechende Essenzen fehlten nicht.

Diese kunstvollen Objekte stellten die Rasenna mit einer Fertigkeit und einem Geschmack her, der in der Antike wenige Beispiele hatte. Wir können sie noch heute bewundern.

Was uns dieser Schmuck heute noch zeigt: Die Rasenna kannten keinen Wegwerf-Schmuck. Gold, Bernstein, Elfenbein, Bronze – jedes Material wurde mit einer Sorgfalt verarbeitet, die auf Dauer angelegt war, nicht auf schnellen Konsum. Granulationstechniken, die Jahrhunderte überdauern und uns noch heute verblüffen, sind das Gegenteil von dem, was wir heute oft unter Schmuck verstehen. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion: Schönheit, die bleibt, statt Schönheit, die sich verbraucht.

Bronzespiegel der Rasenna mit gravierten mythologischen Figuren, darunter Minerva und Herkules
Bronzespiegel der Rasenna, 3. Jh. v. Chr., mit gravierten Figuren aus der griechisch-etruskischen Mythologie (Asclepius, Prometheus, Minerva, Herkules), benannt durch Inschriften am Rand. Metropolitan Museum of Art, New York

Jeder kleine Schritt zählt.

Ein etwas grüner Architekt

Siehe auch: Walters Art Museum, Museo Gregoriano Etrusco, Altes Museum Berlin, Metropolitan Museum of Art

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