Die Frauen der Rasenna

Bei den Rasenna nahmen die Frauen eine Stellung ein, die in der Antike keine Beispiele hatte. Die Griechen waren kurz gesagt skandalisiert: Mehrere Geschichtsschreiber berichten über die Freiheiten, die den Frauen zustanden und die Rolle, die sie in der Gesellschaft einnahmen. Mehr dazu im Artikel „Rasenna, warum ein etruskischer Name„.

Eine Stellung, die ihrer Zeit voraus war

Bei den Griechen der Antike war die Frau, bei den meisten ihrer Völker zumindest, an den Haushalt gebunden und bei Festen und Empfängen blieb sie in ihren Gemächern und die Männer unter sich.

Der Sarkophag der Eheleute aus Cere und Grabbeigaben in vielen der Nekropolen der 12 Städte der Dodekapolis, geben uns ein Bild von der Rolle der Frau der Rasenna, die innerhalb des Ehepaares gleichgestellt erscheint, was für die anderen Völker des Mittelmeeres kaum vorstellbar war.

Porträt der Velia, etruskisches Wandfresko, Tomba dell'Orco, Tarquinia, Italien
Porträt der Velia, Wandfresko, Tomba dell’Orco,
Tarquinia, ca. 4. Jahrhundert v. Chr.
Quelle: Strong, D.E., Welt der Antike,
Bertelsmann 1967.
Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Was die Griechen über die Frauen der Rasenna berichteten

Die Griechen stellten die Rasenna in ein schlechtes Licht. Theopompo, der besonders böswillige auf sie zu sprechen war, schreibt: „Die Frauen der Rasenna werden gemeinsam gehalten, sie pflegen ihren Körper sehr und zeigen sich oft nackt unter sich und den Männern, da es nicht unanständig ist, sich nackt zu zeigen. Sie pflegen sich zu Tisch zu legen, nicht an der Seite ihres Ehemannes, sondern neben einem beliebigen der Anwesenden. Sie sind starke Trinkerinnen und sehr schön anzusehen.“

Die Frauen der Rasenna durften auch einen Ausländer heiraten und durch diese Heirat wurde er in die Familie der Frau gleichberechtigt aufgenommen und bekam das Bürgerrecht. Das klingt heute völlig normal, in der Antike war es aber bei weitem nicht so.

Man kann sich fragen, woher diese Abneigung kommt und was daran alles wahr ist. Es spielen sicher die jahrhundertelangen Konflikte zwischen Griechen und Rasenna um die Vorherrschaft im Mittelmeer eine Rolle.

Aber was wissen wir überhaupt über die Gesellschaft der Rasenna und der Rolle ihrer Frauen? Eine Quelle sind die Geschichtsschreiber und Ethnologen der Griechen und Römer und wie wir gesehen haben sind ihre Überlieferungen nicht immer objektiv. Von den Rasenna sind fast keine schriftlichen Zeugnisse erhalten geblieben. Noch dazu weiß man von keinem Text für Theater oder von einem Heldenepos, wo etwas mehr zu erfahren gewesen wäre. Man kennt von ihnen nur Fragmente von religiösen Büchern in denen sie die sog. „etruskische Disziplin“ festgehalten haben: Minuziöse Regel für Abläufe und Ausführung von Riten und Ritualen.


Was die Gräber erzählen

Was uns geblieben ist, sind die monumentalen Gräber mit ihren Wandgemälden und die Beigaben, die den Toten die Reise ins Jenseits angenehmer machen sollten. Diese Gegenstände geben uns einen Hinweis über die Stellung der/des Verstorbenen in der Familie und der Gesellschaft und man kann sich davon ein Bild des Reichtums und des Ansehens der einzelnen machen.

Etruskische Terrakotta-Statue einer jungen Frau,
Metropolitan Museum of Art, New York, ca. 500 v. Chr.
Etruskische Terrakotta-Statue einer jungen Frau,
Metropolitan Museum of Art, New York.
ca. 500 v. Chr.
Original: James L. Taylor, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons.
Bearbeitung: Othmar Egger / rasenna.de
Weitergabe unter CC BY-SA 2.0

Beispiele aus der Geschichte der Rasenna

Wir wissen von einer Prinzessin der Rasenna, die einen Griechen geheiratet hatte und mit ihm in eine aufstrebende Nachbarstadt zog. Sie gelangten nach Rom und es war auch ihrem Ansehen als Priesterin und Wahrsagerin zu verdanken, dass ihr Mann mit dem Namen Tarquinio Prisco der erste etruskische König von Rom wurde.

So sehen wir auf verschiedenen Wandmalereien der Gräber die Frauen der Rasenna bei den Festen und Banketten, auf einem Triklinium liegend, sie hören die Musik, die den Alltag der Rasenna begleitete, wohnen den Tanzvorführungen bei, essen und trinken von Jünglingen bedient, elegant gekleidet, schmuckbehangen, plaudern sie und passen so gar nicht in das Bild, das die Griechen und Römer von ihren Frauen hatten. Sogar Aristoteles bemängelte diese Sitten: „Die Rasenna bankettieren mit ihren Frauen unter derselben Decke liegend“. Es war für die Griechen unvorstellbar mit ihrer Frau zu einem Bankett zu gehen.

Etruskisches Tänzerpaar aus Tarquinia – Szene eines Festes, das die Gleichberechtigung der Frauen der Rasenna zeigt
Tanzpaar, etruskisches Wandfresko,
Tarquinia, ca. 5. Jahrhundert v. Chr.
Yorck Project / Wikimedia Commons, GNU FDL

Gleichberechtigung der Frauen im Alltag der Rasenna

Und noch eigenartiger musste den anderen Völkern vorkommen, dass die Frauen der Rasenna ihren eigenen Familiennamen hatten und weitergeben konnten und ihre Nachkommen mit dem Namen des Vaters und der Mutter genannt wurden.

Die Familie der Rasenna war eine wohlige Umgebung, in der die Kinder auf dieselbe Weise erzogen wurden, Buben und Mädchen, da sie wie der stoische Philosoph Mutonio Rufo berichtete „beide mit Intelligenz ausgezeichnet sind“.

Es ist so, wie es der bedeutende Etruskologe Massimo Pallottino erkannt hatte, die Frauen der Rasenna hatten eine Stellung, die man mit der der modernen Frau vergleichen kann.

Die Frauen der Rasenna – selbstbewusst, unabhängig, gleichberechtigt. Kein Wunder dass, dieser Blog ihren Namen trägt.

Jeder kleine Schritt zählt.

Ein etwas grüner Architekt


Mini‑Guide: Eine moderne Haltung aus der Antike – Die Frauen der Rasenna

Die Frauen der Rasenna lebten eine Freiheit, die ihrer Zeit weit voraus war. Ihre Geschichte zeigt, wie modern Gleichberechtigung sein kann – und wie selbstverständlich und warum ihre Haltung bis heute inspiriert.

Was dieser Artikel vermittelt:

  • Gleichberechtigung ist keine neue Idee.
  • Selbstbestimmung hat Tradition.
  • Gesellschaftliche Teilhabe ist ein Grundrecht.
  • Alte Kulturen können inspirieren.
  • Moderne Haltung entsteht aus Respekt.

Die natürlichen Materialien der Rasenna sind für uns Inspiration bei der plastikfreien Gestaltung unseres Alltag. Mehr dazu im Artikel „Jeder kleine Schritt zählt“ und „Weniger Plastik – mehr Leben“.

Mehr dazu bei:

Schreibe einen Kommentar