Jeder kleine Schritt zählt

Feldweg durch die Campagna mit Blick zum Horizont - jeder kleine Schritt zählt

Das kann man sich fragen – und das hat sich sicher schon jeder von uns gefragt: Wenn ich etwas für die Umwelt tun will, was macht es denn aus, wenn ich das Fahrrad statt dem Auto nehme, keinen in Cellophan verpackten Salat kaufe, eine Hose weitertrage, statt sie wegzuwerfen, meine Trinkwasserflasche auffülle, weniger Fleisch esse, feste Seife verwende? Kann ich mit diesem Verhalten überhaupt etwas bewirken? Kann man behaupten, dass jeder kleine Schritt zählt?


Die unbequeme Frage

In der letzten Zeit spürt man immer mehr, dass von jeder Person ein umweltbewusstes Verhalten verlangt wird. Man hat fast den Eindruck, dass die Verantwortung auf jeden von uns abgewälzt wird – als ob es keine anderen Mitwirkenden gäbe.

Der italienische Journalist Fabio Ciconte bringt es auf den Punkt: Den Begriff des persönlichen CO₂-Fußabdrucks haben die Erdölindustrien erfunden, um das Gewicht der Verantwortung auf uns alle zu verteilen. Auf diese Weise fühlt sich jeder miteinbezogen – und die Aufmerksamkeit wird von der Tätigkeit der Konzerne abgelenkt. ¹

Kein Geheimnis übrigens: Es war BP, die diesen Begriff 2004 in die Welt gesetzt hat.

Blick durch ein geöffnetes Fenster ins Grüne – Moment des Nachdenkens über Verantwortung und Umwelt.
Ein stiller Fensterblick ins Grüne.

Die andere Seite

Und dennoch – die Zahlen sind ernüchternd. Im Jahr 2023 wurden sechs Millionen Tonnen Plastik mehr produziert als im Jahr zuvor. ² Ja – es braucht politischen Druck. Ja – die Hersteller müssen in die Pflicht genommen werden. Greenwashing ist keine Lösung – dafür hat es mittlerweile sogar ein Gesetz gebraucht.

Aber warten wir auf die Politik? Auf die Konzerne?


Was Papst Franziskus dazu sagt

In seiner Enzyklika „Laudato si“ schreibt Papst Franziskus: „Es ist sehr edel, die Aufgabe zu übernehmen, für die Schöpfung mit kleinen, täglichen Aktionen zu sorgen… Man soll nicht denken, dass diese Mühen nicht die Welt verändern werden.“ ³

Das ist kein naiver Aufruf. Es ist eine realistische Haltung – weil wir viele sind. Wenn jeder von uns seinen kleinen Beitrag gibt, ist der gemeinsamen Sache geholfen.

Bunte Kirchenfenster der Església Santa Margalida, 
Mallorca, Spanien
Kirchenfenster der Església Santa Margalida,
Mallorca, Spanien.
Original: H. Zell, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons.
Bearbeitung: Othmar Egger / rasenna.de
Weitergabe unter CC BY-SA 3.0

Beides tun

Ciconte hat recht – und Franziskus hat recht. Die Verantwortung liegt nicht nur bei uns. Aber wir können nicht warten.

Also beides: Die eigenen kleinen Schritte gehen – und bei der nächsten Wahl daran denken, wer sich wirklich um die Umwelt kümmert.

Jeder kleine Schritt zählt.

Ein etwas grüner Architekt


¹ F. Ciconte, Il cibo è politica, S. 42 ² D. Charles und L. Kimman, Plastic Waste Maker Index 2023 ³ Papst Franziskus, Laudato si, S. 204, Libreria Editrice Vaticana


Mini‑Guide: Warum kleine Schritte wirklich wirken

Die Verantwortung liegt nicht nur bei uns – aber wir sind Teil der Lösung. Kleine Routinen summieren sich, wenn viele Menschen sie leben.

Gedanken aus diesem Artikel:

  • Politischer Druck ist notwendig.
  • Industrie trägt Verantwortung.
  • Alltagshandeln ist trotzdem wirksam.
  • Kleine Schritte sind realistisch und wertvoll.
  • Veränderung entsteht durch viele, nicht durch wenige.